Award-Winning Architecture
Konzerthaus Blaibach
Konzerthaus Blaibach
Konzerthaus Blaibach
Fotos:
Edward Beierle
:BDA Preis Bayern 2016
:Konzerthaus Blaibach
:Blaibach
:Peter Haimerl Architektur, München
:Gemeinde Blaibach

 

Beurteilung der Jury:
Seit neuestem ist in Blaibach jeden Tag Weihnachten, Geburtstag und Namenstag in einem. Denn das große Paket, das im Zentrum des Schwarzwalddorfes im Boden steckt, ist nicht nur ein großes Geschenk des Landes, das den größten Teil der Finanzierung leistete, sondern eine tägliche Bescherung. Das weltweit begeistert rezipierte Konzerthaus, das der Bariton Thomas E. Bauer und der Architekt Peter Haimerl für das Zweitausend-Seelen-Dorf entwickelt haben, ist längst eine begehrte Destination für Konzertmusiker und die hier sehnlichst herbeigewünschten Kulturtouristen, die weite Reisen auf sich nehmen, um das kleine Klangwunder zu erleben – aber eben auch eine vielgenutzte Räumlichkeit für lokale Veranstaltungen.
Wie es sich für ein richtig tolles Geschenk gehört, verrät die Verpackung nichts über den Inhalt. Die tonnenschweren Waschbetonplatten, die in dörflicher Gemeinschaftsarbeit auf einem ungenutzten Parkplatz mit geschreddertem Ortsgranit hergestellt und dann mit dem Kran an der aufragenden Konstruktion befestigt wurden, erinnern zwar an die Tradition des Dorfes als Steinhauergemeinde. Aber neugierig macht das Fremdartige dieser gekippten Schachtel, an deren Unterseite eine steile Treppe ins Reich der Noten führt.
Die folgende Dramaturgie, die Peter Haimerl für den Weg vom breiten Eingangsschlitz bis zum Saal entwickelt hat, ist die der sich steigernden Vorfreude. Über holzverkleidete gekippte Garderobenräume, ein Foyer im Knick mit Bar sowie einen langen Seitengang führt der Weg zu einer schmalen Öffnung. Wer hier eintritt, lässt allen Unglauben fahren. Denn der bizarr gefaltete, steile Konzertsaal, der sich nun dem Blick darbietet, ist eine musikalische Zauberhöhle mit schwebenden Sitzen und strahlenden Schichten, die jeden sofort die Welt außerhalb des Klangreichs vergessen läßt.
Wie bei allen verzaubernden Gebäuden ist die Struktur im Prinzip einfach, aber trotzdem nicht sofort verständlich. Sich vielfältig überlappende Betonblätter mit indirekter Beleuchtung falten sich über Wände und Decke zu einer künstlerischen Schieferstruktur. Der grob gestampfte Beton ist überzogen mit sogenannten „Nestern“, also filigranen Schadstellen, die sich wie inverser Efeu über die Wände ziehen. Die beinlos auf Querbalken befestigten Drahtsitze verleihen der Tribüne eine gravitationslose Leichtigkeit. Und der Blick von der Rückwand hinunter auf die Veranstaltungsfläche ist vergleichbar mit der schwindelerregenden Sicht über einen Sturzbach in eine Bergschlucht.
Diese Komposition ist selbst ohne Musikvorführung ein sinnliches Erlebnis der Extraklasse. Schenken Sie es sich und Ihren Liebsten, zum Geburtstag, zu Weihnachten, einfach jederzeit.

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